Soeben erschien in einer kleinen Auflage mein neues Buch über den Historischen Walfang im Nordmeer, an dem die Borkumer Seeleute als „Arbeitsmigranten“ einen bedeutenden Anteil hatten.

„Borkumer auf Walfang – Nach den Logbüchern des Commandeurs Roelof Olferts Meeuw“


Aus der Einleitung meines Buches:

„Wir wissen auf Borkum alles besser. Allerdings wussten wir vom Historischen Walfang bislang nur Grundsätzliches, nämlich: Dass sich unsere männlichen Vorfahren an der Waljagd im nördlichen Eismeer beteiligten – erst vereinzelt von etwa 1650 an, doch in großer Zahl im gesamten 18. Jahrhundert.

Die Borkumer Einwohnerschaft war von je her arm. Not und Tod prägte ihr Leben. Der Sandboden war wenig fruchtbar und ließ Landwirtschaft nur zur Selbstversorgung zu. Handwerk und Industrie konnten sich wegen des fehlenden Hinterlandes nicht entwickeln. In der logischen Folge mussten die Borkumer zur See fahren. In der Nähe der Insel betrieben sie Muschel- und Fischfang und in der Küstenschiffahrt mit kleinen, wattgängigen Segelschiffen waren sie beliebte und gesuchte Seeleute. Die Segelschifffahrt forderte jedoch einen hohen Blutzoll. Ihr seemännisches Wissen qualifizierte die Borkumer auch für die „große“ Seefahrt. Kaufleute und Bankdirektoren hielten als Reeder in deutschen und holländischen Häfen große Schiffe vor, rüsteten diese aus und organisierten und betrieben das Geschäft. Die Borkumer verdingten sich dort als Arbeitsmigranten. Allein im Walfang stellten sie in dem genannten Zeitraum über 100 Kapitäne und dazu zahllose Schiffsoffiziere und weitere Besatzungsmitglieder.

In der Blütezeit des Walfangs, um 1770, waren es jährlich rund 20 bis 25 Borkumer Commandeure – wie die Kapitäne auf Walfängern genannt wurden – und schätzungsweise bis zu 150 – 200 weitere Borkumer Besatzungsmitglieder, die ins nördliche Eismeer fuhren. Deren Zahl ging bis 1800 kontinuierlich auf Null zurück. In den letzten 50 Jahren des Walfangs, der in den napoleonischen Kriegen sein Ende fand, hatten die Borkumer vor allem von den mehr oder minder guten Erträgen gelebt, welche die Walfänger aus Holland oder Hamburg mit nach Hause gebracht hatten. Ein „goldenes Jahrhundert“ war es für die Borkumer aber wohl nicht gewesen.

Das vorliegende Buch beschreibt die letzten 30 Jahre des Walfangs bei Spitzbergen unter Borkumer Beteiligung, aus der Perspektive des Seemannes Roelof Olferts Meeuw. Meeuw stammte aus einer der typischen, alteingesessenen Insulanerfamilien. Deren Struktur und das im Allgemeinen tragische Schicksal einzelner Familienmitglieder wird – beispielhaft für viele andere Borkumer Familien und dank der vorliegenden, aufwendigen Digitalisierung der alten Borkumer Kirchenbücher – aufgezeigt.

Als Commandeur seines Walfängers „Het Eyland Borkum“ geriet Meeuw mit seiner Besatzung im Sommer 1798 vor Nordnorwegen in britische Gefangenschaft. Seine mit Gänsefederkiel und Tinte geschriebenen Logbücher sowie Schriftstücke des Hohen Gerichts der Britischen Marine bilden die wesentliche Grundlage dieses Buches.

Die englische Marine, seit 1793 im Krieg mit Frankreich und seinem niederländischen Vasallenstaat, hatte 1798 mit 29 von 31 Schiffen samt Besatzungen und Ausrüstung fast die gesamte „neutrale“, da unter preußischer bzw. Oldenburger Flagge fahrende, niederländische Walfangflotte beschlagnahmt. Größten Wert legte die britische Admiralität auf die sofortige und vollständige Übernahme, Sicherung und Registrierung aller an Bord befindlichen Dokumente – Journale, Musterrollen, Briefe und andere Papiere. Diese dienten der Royal Navy als wichtigste Beweismittel beim High Court of Admiralty of England, vor dem die Beschlagnahme neutraler Schiffe durch die Engländer verhandelt wurde. Die vorgenannten Dokumente sind teilweise erhalten geblieben und seit einigen Jahren in den Englischen Nationalarchiven zugänglich. Sie liefern uns, zusammen mit anderen wertvollen Quellen, erstmals einen spannenden und tieferen Einblick in die Reise der Walfänger, „up Mord un Doodslag na Groenland“. Sie bieten uns, am Beispiel des Commandeurs Meeuw, die hervorragende Möglichkeit, den Historischen Walfang im Polarmeer im ausgehenden 18. Jahrhundert und die Beteiligung der Borkumer daran weitgehend authentisch darzustellen."

Was dieses Buch ausmacht:

Diesem Buch liegen rund 600, zu einem großen Teil bislang nicht erschlossene Dokumente aus den englischen National Archiven zugrunde. Sie standen dem Autor als Faksimile in digitaler Form zur Verfügung. Davon betreffen 460 Seiten allein den Protagonisten dieses Buches, den Commandeur Roelof Olferts Meeuw, und 130 seinen Freund und Kollegen, den Commandeur Cornelis Jacobs Ruygh aus Den Helder. Weitere 280 Seiten stammen aus dem Stadtarchiv Emden, dazu einige aus dem Niedersächsischen Landesarchiv Oldenburg, aus Zaanstad und Bremen. Zahllose weitere Dokumente und Daten konnten im Internet online aufgespürt und eingesehen werden. In der Literatur vorliegende, für Borkum relevante Informationen bekannter Walfanghistoriker wurden eingearbeitet.

Aus den Borkumer Kirchenbüchern lagen 500 Seiten des wichtigsten Zeitraums, des 18. Jahrhunderts, als fotografische Ablichtung vor. Mit Hilfe eines unveröffentlichten Ortssippenbuches, das der Borkumer Tjard H. Steemann mit einem Genealogieprogramm erstellte, ließen sich weitere Borkumer Walfänger identifizieren und Familienzusammenhänge aufklären. Die vielen zusammengetragenen Daten und Fakten geben den Mitwirkenden dieses Buches eine Identität, ihnen konnte gewissermaßen ein Gesicht gegeben werden. Die Dokumente sind größtenteils aus dem Holländischen, das so aussieht, wie viele von Meeuws Groninger Zeitgenossen es schrieben, teils aus dem Englischen, ins Deutsche übersetzt. Hierbei wurde Wert darauf gelegt, die im Originaltext enthaltenen Fehler und die Schreibtoleranz der damaligen Zeit, soweit wie es die Verständlichkeit zulässt, zu erhalten; eine erste niederländische Rechtschreibung gab es erst 1804. Die Logbücher sind, zur besseren Lesbarkeit des Buches und um Wiederholungen zu vermeiden, in verkürzter Form wiedergegeben.


Inhalt
Einleitung
Geleitwort
1 Der Mann und seine Welt – Roelof Olferts Meeuw
2 Die Vorgeschichte
3 Die Kunst der Steuerleute
4 Das Schiff
5 Die Mannschaft
6 Die Zuiderzee
7 Die Nordsee
8 Das Nordmeer und Spitzbergen
9 Der Grönlandwal
10 Das Leben an Bord
11 1769 – „Ob sie im Eis oder in der See umgekommen sind, weiß er nicht.“
12 1770 – Siebzehn Wale
13 1771 – Drei Monate an der Nordseite Spitzbergens im Eis eingeschlossen
14 Im Jahr 1772
15 1773 – „Vrouw Jacoba“ wird versteigert
16 Das Jahr 1774
17 Das Jahr 1775
18 1776 – In schwerem Mahleis
19 Das Jahr 1777 – Der Todeskampf der Walfänger
20 Das Jahr 1778 – In dichtem Treibeis
21 1779 – An Spitzbergens Nordküste
22 1780 – Ein ereignisreiches Jahr
23 1781 und 1782 – Der Vierte Holländisch-Englische Seekrieg
24 1783 – Die große Naturkatastrophe
25 Das Jahr 1784 – Die tragischen Folgen
26 1785 – „Hatte so sehr gehofft, dass Gott uns mehr gesegnet haben würde.“
27 1786 –„Lagen mit den Schiffen fast übereinander“
28 Das Jahr 1787 – „Es wollte alles nicht gelingen!“
29 1788 – Wassereinbruch!
30 1789 – Vierzehn Borkumer an Bord der „Vrouw Jacoba“
31 1790 – „Ich habe in meinem Leben nicht so schwer mit einem Schiff gesegelt!“
32 Das Jahr 1791
33 Das Jahr 1792
34 Das Jahr 1793
35 1794 – unter neuem Namen: „Valkensteijn“
36 1795 – Die Besetzung der Niederlande durch Franzosen
37 Die Neutralisierung der niederländischen Walfangflotte
38 1796 – Ein ereignisreiches Jahr unter neuem Namen: „Eiland Borkum“
39 1797 – „Trieben auf Gottes Gnade durch das Treibeis“
40 „Leeraner Gesellschaft zur Unternehmung des Wallfischfanges in Grönland und der Straße Davis“
41 „Die edle Sucht nach Gewinn“
42 1798 – In der Falle
43 The High Court of Admiralty of England
44 Gefangenschaft
45 Die letzten Borkumer auf Walfang
Literaturnachweis
Bildquellenverzeichnis
Archive
Dank

Ausführung Hardcover, 326 Seiten, Format 17 x 24 cm, Preis 29,80 €.

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