
Wasser, Mut und Enthusiasmus
Geschichte des
Insel-Trinkwassers und des Wasserturms
Leben und Überleben mit dem nassen Element auf Borkum
Ein
„Borkumer Trinkwasser-Buch“ ist eine spannende und
wortwörtlich keine trockene Lektüre. Dies beweist Gregor Ulsamer in
seinem neuen Werk “Wasser, Mut und Enthusiasmus ...“.
Der Untertitel „Geschichte des Inseltrinkwassers und des Wasserturms
– Leben und Überleben mit dem nassen Element auf Borkum“ führt zu
Borkums größtem Schatz und Geheimnis, dem Süßwasservorrat in und auf
der Insel. Borkum ist nach der Eiszeit aus dem Meer entstanden. Sein
Grundwasser ist naturgemäß salzig.
Es ist das Ziel des Borkumer Wasserturmvereins,
über die Borkumer „Trinkwassersituation“ zu informieren und zugleich
das Bewusstsein für das hohe Gut Trinkwasser zu wecken. Neben der
Luft zum Atmen und der Nahrung gegen den Hunger ist Wasser unser
„Lebensmittel Nr. 1“, schreibt Ulsamer.
Der Verein hat nicht nur den alten Wasserturm
saniert und den Turmkopf erneuert – das neue, ursprüngliche Aussehen
des Turms begeistert alle Besucher. Der Verein hat uralte Akten, die
in den feuchten Kellern des Rathauses und auf den staubigen
Dachböden der Stadtwerke lagen, durchforstet. Er hat auch die mutige
Entscheidung des Borkumer Ortsrates von der Jahrhundertwende 1900,
für Insulaner und Gäste eine zentrale Wasserversorgung mit
Wasserwerk und Wasserturm einzurichten, Brunnen zu bohren und zu
betreiben, wieder zum Leben erweckt
Der Autor, der erfolgreich eine Reihe weiterer
geschichtlicher Besonderheiten Borkums erforscht und beschrieben
hat, greift mit der Wasserversorgung der Insulaner in der
Vergangenheit sowie der Wassergewinnung und Qualitätssicherung in
Gegenwart und Zukunft eines der ganz wichtigen Themen unserer Zeit
auf.
Neue Forschungsergebnisse von Geohydrologen,
Instituten und Wasserbehörden, flossen in das Buch ein. Sie
beschreiben akute Gefahren, die auf die Wasserversorgung lauern und
die abgewehrt werden müssen – Aspekte des Borkumer Lebens, die
aktueller denn je sind.
Natürlich ist ebenso das Abwasser, sowohl das
Oberflächenwasser durch Deiche und Siele, als auch das Schmutzwasser
durch Borkums vollbiologisches Klärwerk, ausführlich behandelt.
Dem Enthusiasmus der heutigen Borkumer, die sich
bereits 2007 zu einem Wasserturmverein zusammenschlossen und ihrem
Mut, den alten, verfallenden Turm instandzusetzen und als Verein für
Millionen Euro ein Wassermuseum mit einer modernen, vielgelobten
Ausstellung einzurichten und zu betreiben, wird Raum gegeben.
Der Verfasser stellt das Buch dem Herausgeber,
dem Watertoorn Börkum e. V., honorarfrei zur Verfügung. Die Borkum
Stiftung hat die Druckkosten übernommen. Der Erlös des Buches kommt
dem Erhalt des Wasserturms und dem Museum zugute.
Das Buch ist für zehn Euro im Wassermuseum,
Geert-Bakker-Straße 49a, 26757 Borkum, oder über den Verfasser
erhältlich:
Gregor Ulsamer, 26757 Borkum, Steinstr. 4
fon +49 4922 932562
mob +49 170 5502928

Buchbesprechung:
Rezension des Buches von
Gregor Ulsamer: "Wasser, Mut und Enthusiasmus … Geschichte des
Insel-Trinkwassers und des Wasserturms, Leben und Überleben mit dem
nassen Element auf Borkum".
Borkum: Selbstverlag 2024, 80 S., 150 farb. Abb., kart.
Die Insel Borkum und ihr Wasser
Angesichts des fortschreitenden Klimawandels wird Wasser immer mehr
zum kostbaren Gut, dessen Erhalt und Schutz gewährleistet sein muss.
Auf Bundesebene wurde daher eine „Nationale Wasserstrategie“
formuliert, aber auch das niedersächsische Umweltministerium
entwickelt augenblicklich einen „Masterplan“, um die „Ressource Wasser
langfristig zu sichern“.
Im Rahmen der Daseinsvorsorge hat die kommunale Wasserversorgung
bereits in früheren Jahren das historische Interesse geweckt, wobei
für Ostfriesland bislang nur Einzelaspekte näher untersucht wurden.
Nunmehr hat sich Gregor Ulsamer erstmals mit der Trinkwasserversorgung
auf der Insel Borkum beschäftigt und seine Forschungsergebnisse in
eine etwa achtzig Seiten umfassende Publikation münden lassen. Von
Salzwasser umgeben, könnte man zunächst annehmen, dass die Versorgung
der Insulaner mit Trinkwasser problematisch sein könnte. Tatsächlich
dürften diese ursprünglich das Wasser aus offenen Wasserstellen in den
Dünentälern geschöpft haben, um später Regen in Tonnen oder Zisternen
aufzufangen. Bereits für das 13. Jahrhundert nach Christus lassen sich
für die Insel erste angelegte Brunnen, sog. Fassbrunnen, nachweisen.
Abb.: Abbildung einer Borkumer Postkarte, in der für die moderne
Wasserversorgung Werbung gemacht wurde (S. 14 der Publikation)
Tatsächlich wird für die Versorgung der Insel mit Trinkwasser bis
heute ausschließlich Regenwasser genutzt, das im Boden versickerte und
sich über der Salzwasserschicht im Untergrund ablagerte. Zum Aufbau
dieser „Süßwasserschicht“ waren 200 bis 300 Jahre erforderlich, und
bislang ist diese mehr als ausreichend. Denn jährlich werden 1,4
Millionen Kubikmeter Niederschlag diesem Reservoir zugeführt, von
denen jedoch nur 800.000 Kubikmeter benötigt werden. Dementsprechend
hat das Borkumer Trinkwasser auch eine hohe Qualität. Es wird weder
durch Pestizide oder Gülle belastet, noch müssen dem Wasser
Chemikalien wie Chlor zugemischt werden. Mit der Entwicklung Borkums
zum Seebad im 19. Jahrhundert wurde eine umfangreichere Versorgung der
Bevölkerung und der Gäste mit Trinkwasser, aber auch die Entsorgung
des Schmutzwassers immer notwendiger. Doch erst 1899 erhielt Borkum
nach Bohrversuchen für die Wassergewinnung in den Dünen eine zentrale
Wasserversorgung. Sichtbarstes Kennzeichen dieser Entwicklung ist bis
heute der dreißig Meter hohe Wasserturm, dessen Speicherbehälter
immerhin 200 Kubikmeter fassen konnte.
Da der Turm den stetig steigenden Wasserbedarf auf der Insel im 20.
Jahrhundert nicht mehr decken konnte, wurde er Mitte der 1970er Jahre
stillgelegt. Bereits damals schlug der Borkumer Heimatverein vor, den
Turm als Inselwahrzeichen zu erhalten. Doch erst dreißig Jahre später
unternahm der Verfasser der Publikation, Gregor Ulsamer, als
Vorsitzender des Heimatvereins 2007 einen neuen Vorstoß, um den
Wasserturm nicht nur als Denkmal zu bewahren, sondern auch als
Bildungsstätte zum Thema Trinkwasser zu nutzen. Es folgten eine
denkmalgerechte Sanierung des Wasserturms und die Errichtung eines
Wassermuseums, das zum 1. April 2023 eröffnet werden konnte. Darin
soll u.a. für die Bedrohung der sauberen Ressource Wasser auf der
Welt, aber auch auf der Insel sensibilisiert werden.
Abb.: Zeichnung des Borkumer Wasserturms (S. 21 der Publikation)
Denn die Borkumer Süßwasserschicht ist, wie der Autor ausführt,
durchaus gefährdet. Ein klimatisch bedingter Anstieg des
Meeresspiegels könnte das unterirdische Eindringen von Salzwasser
verstärken, während gleichzeitig – als Folge von Dünenabbrüchen nach
Sturmfluten – das Trinkwasser in den Wasserschutzgebieten der Insel
durch einströmendes Seewasser versalzen könnte.
Insgesamt liegt mit der vorliegenden Publikation eine sehr informative
und durch die zahlreichen, sehr gut gewählten Abbildungen auch optisch
sehr ansprechende Publikation vor, die sich mit dem bedeutsamen Thema
der Trinkwasserversorgung auf Borkum auseinandersetzt. Es ist zu
wünschen, dass die Veröffentlichung nicht nur auf der Insel auf
reges Interesse stoßen wird.
Gregor Ulsamer, Wasser, Mut und Enthusiasmus … Geschichte des
Insel-Trinkwassers und des Wasserturms. Leben und Überleben mit dem
nassen Element auf Borkum, hrsg. von Watertoorn Börkum e.V., Borkum
2024, 80 S., 10 Euro. Das Buch ist im Borkumer Wassermuseum oder über
den Verfasser erhältlich.
Veröffentlicht im Blog für Ost-Friesische Geschichte, Vermittlung und
Diskussion historischer Kenntnisse zur ostfriesischen Halbinsel und
den angrenzenden Gebieten, am 31.7.2024, von Michael Hermann (Red.:
H.S.).
Michael Hermann ist Historiker und Archivar. Seit 2016 leitet er die
Abteilung Aurich des Niedersächsischen Landesarchivs.